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Die Erwerbssequenzhypothese: Theorie und Praxis des Kasuserwerbs
In der Spracherwerbsforschung wird die Annahme, dass grammatische Strukturen in Stadien erworben werden, seit langem allgemein akzeptiert. So lässt sich im DaF-Bereich von zahlreichen Studien empirisch nachweisen, dass der Erwerb der deutschen Wortfolge nach einer implikativen Sequenz abläuft. Anders ist es um den Erwerb der deutschen Morphologie bestellt, der nur gelegentlich untersucht worden ist. So wurde zum Beispiel dem Erwerb des deutschen Kasussystems im Fremdsprachenunterricht anders als im Erstsprachenerwerb kaum Aufmerksamkeit gewidmet. Dieser Beitrag will dem Kasuserwerb im Fremdsprachenunterricht als Forschungsgegenstand einen neuen Impuls geben, sowohl aus erwerbstheoretischer Sicht als auch im Hinblick auf die Unterrichtspraxis. Aus theoretischer Sicht vermittelt der Beitrag auf der Grundlage einer aktuellen Erwerbstheorie, nämlich der Processability Theory, einen Entwurf eines Erwerbsszenarios. Für ältere Ergebnisse aus dem Forschungsbereich des Deutschen als Muttersprache und Zweitsprache eröffnet diese Theorie eine völlig neue Perspektive. Bezüglich der Unterrichtspraxis werden Überlegungen darüber angestellt, ob eine feste Sequenz im Kasuserwerb für die Progression im Grammatikunterricht Konsequenzen hat.
In the field of second language acquisition (SLA), it is a commonly held view that language acquisition evolves along a developmental sequence. In the field of German as a Second Language (GSL) there is a considerable amount of empirical evidence on developmental sequences, but such studies are confined to German word order rules, and only occasionally include the acquisition of German morphological features. The acquisition of the German case system in a formal language learning setting has hardly been studied from a developmental point of view at all (in contrast to L1 research). Against this background, the present article seeks to give impetus to further research on case acquisition, serving both a theoretical and an applied purpose. From a theoretical point of view, the article seeks to formulate a developmental sequence for case acquisition on the basis of a current SLA-theory, i.e. Processability Theory. It also sheds new light on older descriptive studies from the fields of both first and second language acquisition. The paper ends with some reflections on the consequences a fixed sequence of case acquisition might have for the teaching of German grammar.
Seiten 43 - 69
Zitierfähig mit Smartlink: http://www.DSdigital.de/DS.01.2010.043
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