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Prädikative Genitive ein vernachlässigtes Kapitel der Grammatikschreibung
In diesem Beitrag wird gezeigt, dass Genitiv-NPs in prädikativer Funktion im heutigen Deutsch weitaus häufiger und weniger formelhaft erstarrt sind, als es die Beschreibungen in den Grammatiken vermuten lassen. Sowohl in der Funktion eines Subjektsprädikativs als auch in der eines freien Prädikativs sind Genitiv- NPs ziemlich produktiv, während sie als Objektsprädikative wohl eher als Randerscheinung gelten können. Es wird dafür argumentiert, dass es sich bei dem prädikativen Genitiv um einen inhärenten Kasus handelt, der auf die semantischen Bereiche Qualität und mentaler Zustand sowie körperliche Begleiterscheinung beschränkt ist. Prädikative Verwendungen von Genitiven werden gestützt durch in sprachvergleichender Sicht verwandte Konstruktionen wie Attribute und Adverbiale.
This article shows that genitive NPs in predicative function are much more frequent and productive in present-day German than the scarce descriptions of this phenomenon in grammars of German would suggest. Genitive NPs are fairly productive in the functions of subject complement and depictive predicate, but they are marginal as object complements. It is argued that the genitive in predicative function is an inherent case which is restricted to the semantic areas of quality, mental state and bodily accompaniment. Predicative uses of the genitive are supported by constructions such as attributes and adverbials, which are related from a comparative point of view.
Seiten 193 - 209
Zitierfähig mit Smartlink: http://www.DSdigital.de/DS.03.2010.193
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